Internationales Sketchnotes Camp #isc17hh

Müde und ermattet, aber voller neuer Eindrücke fahre ich gerade wieder nach Hause vom 1. Internationales Sketchnotes Camp in Hamburg. Gestern ging es bereits los mit verschiedenen Workshops, heute bin ich dann in das Barcamp mit eingestiegen.

Erst einmal habe ich ein wenig gefremdelt: Ich kannte niemanden. Frauen waren deutlich in der Überzahl. Und es ist ein Ort, an dem Stift und Papier gegenüber dem digitalen Schnick-Schnack deutlich überwiegen (dazu: von den ca. 10 Tabletts waren 9 mit einem Apfel versehen und das Microsoft Surface gehörte mir).

Gute Laune überall

Von Anfang an herrschte gute Laune, es wurde viel gelacht, die Szene Insider wurden beklatscht und auch ansonsten wurde vieles beklatscht und bejubelt. Wie gesagt, ich habe ein wenig gefremdelt.

Ein intensive Begrüßung, danach ein Vortrag vom großen Sketchnotes Vordenker Mike Rhode – er hat das erste Standardwerk über Sketchnotes geschrieben. Anschließend die Einteilung der Sessions.

Ich war und bin sehr positiv angetan von der Vielfalt der Themen auf dem Sketchnote Camp. Das geht los bei „Einsteiger-Angeboten“, über persönliche Erfahrungsberichte bis hin zu sehr Business-relevanten Themen – wie bringt man Sketchnotes ins Unternehmen, Sketchnotes und Agile usw. Aber auch ein sehr lebhafter Vortrag von Tanja Wehr, wie man ein Buch schreibt. Und Sketchnotes in der Schule war ein Thema: Wie bekommt man Sketchnotes in die Schule und lässt sich damit Geld verdienen? (PS: Meine Meinung dazu ist, dass es in den Methodenkoffer der Lehrer und dann auch baldmöglichst in den der SchülerInnen gehört)

Am Anfang war ich erschrocken als ich die ersten Zeichnungen sah – siehe oben. Das ist ein ganz anderes Niveau, da habe ich nichts zu suchen. Beim zweiten Blick hat es sich dann relativiert:

  • Erstens waren das die Meisterer/-innen, die da auf dem großen Bild ihre Spuren hinterlassen haben.
  • Zweitens, wenn die gleichen Personen im Vortrag sind, malen sie auch mehr oder weniger handgestrickt.
    Bitte nicht falsch verstehen, es ist trotzdem super. Jedoch hat mir diese Erkenntnis sehr geholfen und ich glaube, das ist auch für viele andere sehr wichtig. Denn wenn das schöne Zeichnen das Niveau von Sketchnotes ist, dann werden viele andere abgeschreckt – dann ist der Spruch „Sketchnotes müssen nicht perfekt sein“ kontraproduktiv. Aber das eine ist Schön-Zeichnen mit mehr Ruhe und Konzentration, das andere ist Malen in Aktion.
    Beides gehört zu Sketchnotes und beides ist wichtig.
  • Drittens, wenn man sich die vielen Skizzenbücher der anderen ansieht, dann sieht man die ganze Bandbreite des Könnens. Vor allem sieht man viele verschiedene persönliche Stile, viel Kreativität und noch mehr viel Liebe zu besonderen Details. Für PPT-Bulletpoint-Liebhaber ein Graus, für mich ist es einfach wunderbar.

Sketchnotes Camp Mitnahmeeffekte:

  1. Wenn ich schön male, dann sieht das auch gut aus!
  2. Wenn ich in Aktion male, dann gibt es noch Übungsbedarf!
  3. Die Form, wie ich Präsentationen und Konzepte in Powerpoint mit Sketchnotes ergänze, wurde mit Interesse aufgenommen.
    Da werde ich mehr daran arbeiten – am Format, am Aussehen, am Workflow.
  4. Ein gewonnenes Buch von Mike Rhodin, welches ich gegen das Buch von Tanja Wehr eingetauscht habe. Neben einer persönlichen Widmung hatte ich mit ihr auch ein tolles Gespräch.
  5. Mein Schulprojekt mit Sketchnotes hat Beachtung gefunden. (Wer ist Carlo Pedersoli? Sketchnotes im Unterricht)
  6. Ich mit meinen Sketchnotes Aktivitäten auf dem richtigen Weg bin – jetzt heißt es nur noch mehr üben, üben, üben.
  7. Die Anwesenden von ihrem Tun überzeugt sind und zwar in einer sehr positiven Art und Weise.
    Sie wissen, dass das Bild in der heutigen Textüberflutungswelt ein sehr wichtiges Element ist und das Sketchnotes durch das eigene Tun (oder im Team) sehr wichtig für unsere immer komplexer werdenden Wissensgesellschaft ist.
  8. Digital so gut wie keine Rolle auf dem Camp gespielt hat – was ich schade finde, da wir einer wunderbaren Zeit leben, in der wir sowohl den „analogen“ wie auch den „digitalen“ visuellen Austausch miteinander in hoher Qualität brauchen und dieser auch möglich ist.
  9. Ich habe zum Schluss nicht mehr so gefremdelt. Habe tolle Leute kennengelernt, erlebt und komme gerne zum 2. Camp wieder dazu (wenn es denn erreichbar ist – ich würde dafür nicht aus den USA kommen, wie einige Teilnehmer und auch nicht durch Europa fliegen).
    Vielleicht macht es Sinn ein ähnliches Konzept wie das PM Camp zu etablieren: Wenn Sketchnotes bekannter und wichtiger für die alltägliche Kommunikation in Unternehmen wird, dass man dann Sketchnotes Camp regional anbietet.
  10. Es war eine durchweg tolle Organisation in einer tollen Lokation (Oose und Dialoghaus Hamburg) an einem schönes Tag mit vielen tollen Eindrücken.