Rückblick auf das Corporate Learning Camp 2017

Nun ist das Wochenende herum, eine neue Reise wird von mir gerade angetreten und die Eindrücke der vergangenen Woche konnten sich setzen. Am vergangenen Donnerstag und Freitag fand in der Frankfurter FH das Corporate Learning Camp statt.

Es gehört seit vielen Jahren zu meinen persönlichen Highlights. Es ist einer der Orte, an denen ich lernen kann, auf viele alte Bekannte treffe und man mittlerweile auf einem vergleichsweise hohen Niveau über alles rund um das Thema (betriebliches) Lernen diskutieren kann.

In diesem Jahr habe ich auch einen Personenkreis treffen dürfen, der mir schon sehr vertraut war: Es waren die Teilnehmern eines WOL Circles, mit denen ich einen großen Teil meines Frühjahrs bzw. Sommers einmal wöchentlich verbringen durfte. Nach einer intensiven Zeit in unseren Circles hatten wir vereinbart, dass wir uns alle auf dem #clc17 treffen wollen. Und das hat auch geklappt, endlich mal alle im echten Leben zu treffen. Es ist für mich immer wieder eine große Freude, Menschen, die ich virtuell kennengelernt habe, in Natura zu treffen und dann meist das Gefühl einer bereits langen Bekanntschaft zu haben. So auch in diesem Fall.

Meine Eindrücke und Erinnerungen

Meine persönlichen, ungewichteten und der Energie der schreibenden Fingern und somit unsortiert entsprungenen Erkenntnisse von diesem Corporate Learning Camp:

Das Niveau der Diskussionen ist weiter angestiegen!

Keiner muss in den Sessions mehr bei Adam&Eva abgeholt werden. Zwar sind nicht alle gleich weit in der persönlichen bzw. der unternehmerischen Entwicklung, aber das Vokabular ist mittlerweile bekannt.

Lasst uns endlich eLearning begraben!

Es geht nicht um eLearning! Es geht nicht um PDFs im Intranet! Es geht um Lernen! Es geht um Menschen in den Unternehmen, den Schulen und Hochschulen (auch wenn beiden letzteren kaum vertreten waren)! Es geht um eine individuelle, moderne und an den Herausforderungen der nahe liegenden Zukunft orientierten Qualifizierung.

Ein tolles Jahresprogramm der Organisatoren!

Die Macher haben sich in diesem Jahr aus meiner Sicht übertroffen und dem Thema „Lernen“ einen großen Anschub gegeben. Angefangen mit dem MOOCathon im Frühjahr, den vielen Online Diskussionen und der Entstehung von „regionalen LernCommunities“ und dem nun vorläufigen Finale auf dem Corporate Learning Camp wurde das ganze Spektrum an betrieblicher Weiterbildung abgedeckt. Es konnte auf allen Ebenen und in vielen Formaten gelernt, diskutiert und sich weiterentwickelt werden. Vielen Dank dafür!

Über 300 Teilnehmer und pro Tag bis zu 100 Sessions (waren möglich)

Die Freude über den großen Zulauf stößt dann an Grenzen, wenn es einfach zu voll wird. Mich persönlich überfordern so viele Angebote, auch wenn sich bei der Sessionauswahl am Ende doch immer die für einen persönlich wichtigen Themen herauskristallisieren.
Aber auch in den Diskussionsrunden mit über 50-60 Teilgebern und nur 45 Minuten Zeit wird es aus meiner Sicht grenzwertig. Entweder reden nur wenige und der Rest hört zu oder aber viele wollen reden. Bei beiden Formen der Diskussion kommt aus meiner persönlichen Sicht der Austausch oftmals nicht richtig zustande.
Außerdem wurde – auch wieder aus meiner persönlichen Sicht – oft auf einer zu hohen Flughöhe diskutiert. Das gehört dazu, keine Frage. Aber mir persönlich hat das „Handwerkliche“ gefehlt bzw. es wurde zu wenig angeboten – der praktische Austausch an Erfahrungen und Entdeckungen.

Ich weiß, BarCamps lassen alle Freiheiten dieser Welt und sie wurden auch teilweise genutzt, aber trotzdem sind hier Grenzen erreicht.

Wie geht es weiter im neuen Jahr?

Es wird in der Organisation Veränderungen geben. Während dem BarCamp wurde immer wieder darüber diskutiert, wie es im kommenden Jahr weitergehen kann. Soll es wieder ein MOOCathon geben und wenn ja, wie soll es aussehen? Was passiert mit dem BarCamp?
Es wird weitergehen! Aber es wird, so mein Eindruck, sich auch einiges verändern. Und das ist gut so. Stillstand im Lernen hatten wir schon viel zu lange. Gerade die Vordenker in der öffentlichen Diskussion, aber auch derjenigen in den Organisatoren müssen sich immer wieder neu erfinden, sich weiterentwickeln, neue Dinge, Technologien, Methoden und Formate ausprobieren und diese dann bewerten, weiterentwickeln und zum Einsatz bringen.

Meine besuchten Sessions bekomme ich leider nicht mehr zusammen 🙁

Obwohl ich fleißig mitgeschrieben habe. Aber es war einfach viel. Bei meinen Session ging es um „Digitalisierung im Mittelstand“, „Roadmap zu einer digitalen Mitarbeiterkultur“, „Agilität und Lernen“ und einiges mehr in diese Richtung.
Trotz meiner Kritik und der Fülle gab es sehr gute Diskussionen und Beiträge. Es hat Spaß gemacht mit vielen der Teilgeber zu diskutieren. Und ja, ich diskutiere mit! Das ist keine Drohung, sondern ein Angebot 😉 Denn wenn nicht, ist es entweder ein/e spannende/r RednerIn oder das Thema interessiert mich nicht. Und dann gehe ich wieder 🙂 BarCamper-Leben.

Veränderte Kommunikation ist zwingend notwendig

Wir leben in einem Wandel. Man mag es glauben oder auch nicht. Dieser Wandel ist davon geprägt, dass sich durch die „Digitalisierung“ und anderen Entwicklungen die Art und Weise wie wir zusammenleben, -arbeiten und -kommunizieren verändert und noch weiter verändern wird. Daraus entwickelt sich auch die Notwendigkeit, dass wir anders lernen müssen. Das heißt für alle Beteiligten, dass sie sich ändern müssen: Lernende, Lehrende und die dazugehörigen Institutionen (Unternehmen, *Schulen, Anbieter).
Das aus meiner Sicht wichtigste, was sich in den kommenden Jahren ändern muss, ist die schiefe Ebene zwischen Lehrenden und Lernende. Die einen müssen sich zu Service-Anbietern mit attraktiven Angeboten entwickeln und die anderen müssen lernen, dass sie selbst verantwortlich sind, für ihre eigene persönliche Entwicklung. Kein von oben herab mehr, kein Warten auf „irgendjemand muss mir sagen, was ich wann lernen soll“. Das ist noch ein langer Weg für sehr viele Akteure, aber ein notwendiger. Und anfangen sollten wir mit dem eigenen Vokabular:

Meine eigene Session: Visualisieren und Storytelling

Ich wollte gerne was handwerkliches anbieten und habe daher zu einer Runde Sketchnotes eingeladen. Ich habe erst meinen roten Faden durch mein Leben präsentiert und dann gemeinsam mit den Sessionbesuchern darüber diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht und zum Schluss noch ein kleines Märchen erzählt.

Hier mein geskribble für die Vorbereitung der Session:

 

Mein Fazit für das Corporate Learning Camp

Mein persönliches Fazit: Es war eine tolle Veranstaltung, auch wenn die Wachstumsgrenze erreicht ist. Sponsoren bringen sich super mit ein, ohne die übliche Marketing-BlaBla-Maschinerie anzuwerfen.

Es sollte kein Unterschied mehr zwischen dem anlogen und dem digitalen Lernen geben. Wir haben heute so viele Möglichkeiten, dass man beide Welten im jeweiligen Setting hervorragend einsetzen und Nutzen kann – so entsteht der Mehrwert.

Aber dazu gehört es, dass man sich als Lehrender auch auf beide Welten einlässt – zumindest soweit, dass man entscheiden kann, welche Welt die beste Möglichkeiten in dem jeweiligen Kontext bietet. Und als Lernender gehört es dazu, sich auf die neue Verantwortung einzulassen oder sie sogar einzufordern und die Chance der Veränderung aktiv nutzen.