Antwort auf Christian Spannagel: Digitalisierung im Lehramtsstudium

@DunkelMunkel hat in seinem heutigen Beitrag folgenden Frage über die Digitalisierung im Lehramtsstudium gestellt:

Wenn Schüler*innen Medienkompetenzen erwerben sollen, müssen Lehrer*innen diese bereits besitzen und haben diese am besten auch im Studium erworben. Wenn Lehramtsstuden*innen Medienkompetenzen erwerben sollen, müssen Hochschuldozent*innen diese bereits besitzen. Wer sieht den Fehler im System?

Hier meine Antwort darauf:

Wenn wir darauf warten, dass die Lehrer anfangen oder erst die Dozenten oder erst die Uni investiert oder der/die Ministerin entscheidet oder der Lehrerverband sich bewegt oder oder oder wird das nichts.

Ich bin jetzt seit 20 Jahren aktiv beim Thema „E-Learning“ und was so da alles dazugehört. Meine Erkenntnis aus und in dieser Zeit: Niemand braucht auf irgendjemanden zu warten. Die, die wollen, können machen. Wir haben nicht mehr die IT wie vor 10 oder gar 20 Jahren, die behäbig, zentralistisch und unflexible ist. Jedem steht alles zur Verfügung.

Dazu kommen die vielen tollen und weniger tollen (trotzdem wichtigen) Entwicklungen der vergangenen Jahre. Es ist – so würde ich behaupten – schon (fast) alles gedacht und ausprobiert. Unendlich viele Konferenzen, Barcamps, Veröffentlichungen und was weiß ich, was es alles dazu schon gibt. Das, was die meisten Akteure brauchen ist da: Technik die funktioniert und Methoden,die erprobt sind.

Warten, Warten, Warten, ….

Jetzt hapert es daran, dass wir warten, warten auf bessere Lehrpläne, auf bessere Infrastruktur, auf bessere Kinder und/oder Eltern, auf den Papst, auf den vorherigen Präsidenten usw.

Der Erfolg wird nur kommen, wenn diejenigen, die was machen wollen, das auch machen und vor allem auch machen dürfen bzw. man sie gewähren lässt. Wenn das Konzept erfolgreich ist, weil die Organisation des Unterrichts einfach geworden ist, die Kinder besser gelernt haben oder etwas herausgekommen ist, was es so noch nicht gab, dann werden auch andere mitziehen.

Aber nur, wenn jeder seinen persönlichen Mehrwert daraus generieren kann. Hört sich sehr egoistisch an – vielleicht, ist aber eine der elementaren Voraussetzungen für den Erfolg. Ansonsten bleibt „man“ bei seinem alten Stiefel. Da helfen auch keine Gesetzen, Normen und Verordnungen. Dann spielt es auch keine Rolle, ob digital oder analog. Diese Grenze gibt es dann nicht mehr, sondern nur ein besser und noch besser.

Und dann werden auch Freiräume geschaffen, dann wird auch investiert, dann kommt die Lawine ins Rollen.

Es gilt nach wie vor: es müssen noch mehr Pflänzchen gesetzt werden. Pflänzchen, über die man berichtet, sich austauscht, diese zeigt, sich vernetzt.

Hört sich naiv an. Mag sein. Aber alles andere versandet mehr oder weniger – siehe nur die UMTS Millionen von vor gut 17 Jahren. Diese Investitionen müssten heute um ein vielfaches ihres ursprünglichen Wertes sich in den Schulen (aber auch Betrieben) widerspiegeln. Tut es aber nicht: Weder bei der sogenannten Digitalisierung in den Unternehmen noch in den Schulen.

Das heißt nicht, dass alles nur mit Luft und Liebe geht. Aber auf die preußischen Befehls- und Ereigniskette – sprich das Geld und die Gesetze zu warten, das funktioniert nicht (mehr).

Es ist so viel möglich, es gibt so tolle Ideen und es gibt so tolle, engagierte Lehrer/Dozenten/etc. – lasst sie machen, helft ihnen, bietet euch an – gleich ob ihr in der Schule, der Uni oder Unternehmen oder einfach nur Eltern seit.

Die Diskussion über die „Digitalisierung im Lehramtsstudium“ dazu auf Facebook und auf Christian Spannagels Website.u