Mein Leben in der Filterblase und ein Selbstversuch (aber nicht von mir)

Ich finde meine Filterblase toll. Sie ist gemütlich, inspirierend und pass genau – sie lässt mich gerne darin verweilen – sie frustriert mich nicht und lässt mich nur selten den Kopf schütteln. Vieles in ihr ermuntert mich und sie bringt mich häufig zum Lachen. Negatives blende ich im wahrsten Sinne aus. Ich halte Kontakt zu Menschen, die mir in irgendeiner Form wichtig sind, und die ich nur selten oder nie sehen kann.

Dafür muss ich einiges tun: Ich lösche regelmäßig bei Facebook und Twitter, meine meistbesuchten Plattformen, diejenigen, die mich nerven. Warum mache ich das? Weil es mir gut tut. Ich möchte mich nicht mit jedem auseinandersetzen müssen. Auch gehe ich nicht an real existierende Orte, an denen ich schon vorher weiß, dass dort vor allem Menschen sind, die mich anstrengen. Und ich muss nicht jede Diskussion führen oder verfolgen.

Meine Filterblase ist mein (Informations-)Zuhause

Damit meine Blase ein Wohlfühlort bleibt und um meinen Horizont zu erweitern, füge ich auch immer wieder neue Personen und Seiten hinzu, bei denen ich die Hoffnung habe, dass sie mein Leben durch ihre Beiträge, Kommentare und Hinweise auf Veranstaltungen oder interessante Artikel bzw. Webseiten bereichern.

Habe ich trotzdem das Gefühl, „richtig“ informiert zu sein? Muss ich keine Angst haben, dass ich nur einseitig beeinflusst zu werden? Baue ich mir meine Filterblase nicht zu und verenge somit meine Horizont.

Die Gefahr besteht natürlich. Aber ich vertraue meiner Bildung, meiner Lebenserfahrung, meinen Freunden, meinem Umfeld und den Medien, die ich regelmäßig aufsuche.

Quelle: Der Postillion – meine Lieblings FakeNews Seite

Ich halte unsere Medienlandschaft für sehr gut – zu meckern gibt es immer was, aber dafür haben wir die Vielfalt. Ich bin ein überzeugter Konsument der öffentlich rechtlichen Programme, vor allem von 3Sat, Arte und Co. Auch von den großen überregionalen Zeitungen wie SZ, Zeit, Faz sowie einigen anderen „Mainstream“ Publikationen lasse ich mich informieren. Die Hauptnachrichten sind bei allen ähnlich, aber jeder dieser Sender oder Blätter haben immer wieder exklusive Beiträge zu verschiedenen Themen.

Dazu kommen immer wieder verschiedene Blogs und andere Publikationen in ganz unterschiedlichen Themenbereichen. Meist stoße ich auf diese Quellen, weil ich für ein Thema, mit dem ich mich gerade beschäftige, gute Inhalte suche.

Die anderen Filterblasen

Das bisher geschriebene gilt so für mich. Aber wie sieht es bei anderen virtuellen Mitbewohner aus? Nein, ich werde niemanden Vorschreiben, wie die eigene Filterblase auszusehen hat. Steht mir nicht zu. Aber ich habe eine Meinung dazu.

Ab und an verlasse ich meine Filterblase und lese Beiträge sowie Kommentare von anderen Personen. Und dann fange ich nicht selten an, mich zu gruseln. Ich kann oftmals nicht glauben, was ich dort zu lesen bekomme (schöne Beispiele sind in dem Vortrag unten zu finden).

Christian Buggisch hat sich das einmal genauer angeschaut und sich aus seiner persönlichen Filterblase herausgewagt und sich neue Blasen aufgebaut. Seine Erfahrungen hat er in einem umfangreichen Foliensatz zusammengestellt. Auch ohne seine persönlichen Kommentare kann man sich durch die Folien klicken und erhält einen Einblick in die Welt der real existierenden Filterblasen.

Meine Leseempfehlung:

„Christian Buggisch braucht starke Nerven. Über Wochen hat er sich mit Kommentaren über Politiker, die sich in den nächsten Zug nach Auschwitz setzen sollen, über die „Lügenpresse“, die nur dem Establishment dient, Morddrohungen und übelsten Beleidigungen herumgeschlagen. Denn: Der Erlanger Blogger wollte herausfinden, wieso manche Menschen im Netz scheinbar in einer anderen Realität leben können – und hat sich dafür tief in den rechten Social-Media-Sumpf begeben.“