In einer nächtlichen Diskussion ging es vor ein paar Tagen in trauter Runde um den Wandel, der angeblich gerade stattfinden soll. „Industrie 4.0 ist nur ein Schlagwort der Werbeindustrie“, so eine der Aussage. Das, was dort angepriesen wird, gibt es bereits technisch schon lange, es fehlen nur die verbindenden und übergreifenden Standards. Im Bürobereich hat sich auch schon immer viel verändert, das wird auch so oder ähnlich in der nahen Zukunft weitergehen. Aber wirklich anders wird das alles nicht.

am Lagerfeuer

So startete die Diskussion. Dann ging es aber langsam ins Detail und die Veränderungen, die anstehen oder bereits da sind, wurden immer deutlicher. Ja, das Smartphone hat in den letzten Jahren viel verändert. Auch die Kapazitäten an Rechenleistung und Datenübertragung sowie neuer Speichertechnologien haben bereits einiges geändert. Ebenso gibt es Anwendungen, die man sich vor ein paar Jahren noch gar nicht vorstellen konnte – weder in den darin enthaltenen Möglichkeiten noch im Bedienungskomfort. Technologisch passiert gerade tatsächlich viel, so der Grundtenor in der Runde.

Aber was ist mit den Menschen in Unternehmen, die diese Technologien nutzen: Sie stoßen immer wieder an Grenzen, denn sie könnten so viel mehr machen! Sie könnten schneller auf Daten zugreifen! Viel mehr Mitarbeiter könnten ihren festen Arbeitsplatz verlassen und dort arbeiten wo sie wollen! Die Vielzahl von verfügbaren Anwendungen ist riesig. Viele bieten eine viel bessere Unterstützung wie die aktuell eingesetzten Softwareanwendungen (von denen viele noch ihren Ursprung im vergangenen Jahrhundert haben)!

Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.

Fangen wir mit dem sich trauen an. Vieles hat sich bei den zur Verfügung stehenden Systemen verbessert. Sie sind in der Bedienung einfacher geworden und vom Umfang vielfältiger. Trotzdem gibt es immer wieder große Widerstände, wenn in den Unternehmen plötzlich neue Anwendungen eingeführt werden sollen. Meist geht es darum, dass man etwas anders machen soll wie bisher – sowohl auf Seiten der IT wie auch der Anwender wie auch bei den Entscheidern.

Am Anfang gibt es erstmal den Widerstand. Warum braucht man überhaupt dieses neue Zeug überhaupt? Es ist nichts erklärt, irgendjemand hat das entschieden und die Umsetzung entspricht nicht den Anforderungen (die auch niemand im Vorfeld wirklich abgefragt hat). Gefolgt von Verwirrung und Frust sowie den Erfahrungen der vergangenen Neueinführungen, denn bereits da hat man erfahren, dass das Ganze nichts taugen wird. Irgendwann, wenn das Gefühl aufkommt, dass es sich bei der neuen, von „Oben“ aufgedrückten Anwendung nicht um eine der üblichen Eintagsfliegen handelt und der Sinn und die Vorteile vielleicht klarer werden, werden die ersten Schritte gewagt. Aber ganz langsam. Aber auch nur, weil der Kollege von gegenüber hyperaktiv ist und die anderen Kollegen immer mehr mitzieht.

Wäre ja noch schöner, wenn plötzlich jeder so dürfte wie er/sie wollte!

Armes mittleres Management! Schon von Beginn an seiner Entstehung war die Aufgabe undankbar: Eigentlich nur der unvermeidliche Zwischenschritt nach „Oben“, musste man sich nun mit den ehemaligen gleichgestellten auseinandersetzen und ihnen zeigen, dass man jetzt was Besseres ist. Manchmal hat man es sogar selbst eingesehen (aber für sich behalten), dass es diese Ebene überhaupt nicht braucht. Außer natürlich, dass der eigene Vorgesetzte durch mehr Managementuntergebene selber weiter aufsteigt und man selber natürlich auch (hofft) davon profitiert. Also ging und geht es darum als Mitglied dieser gefährdeten Gattung zu filtern, Aufgaben zu verteilen, zu kontrollieren und sich unabkömmlich zu machen. In einer Welt der permanenten Überforderung durch Leistungsdruck und permanenten ändern der Stellschrauben sowie überbordenden Informationsüberflutung gerät man auf dieser Position schnell in einen krankmachenden Teufelskreis.

Möchte man an der Stelle seine geliebte, aber erdrückende Position nicht verlieren, muss man sich ändern. Weg vom Kontrolleur und Auftragsverteiler hin zum Gestalter und Unterstützer! Weg vom Verwalter hin zum „Entwickler“! Weg vom Tabellenkalkulationsfetischisten hin zum zu jemanden, der sich von Werten leiten lässt und sein Team nach vorne bringt!

Vor allem für das mittlere Management ist der Digitale Wandel zugleich Herausforderung wie auch eine große Chance. Wer seine Aufgabe weiterhin als Verdingungsglied zwischen „oben“ und „unten“ sieht, wird es schwer haben. Wer sich aber aufmacht und die Möglichkeiten der neuen digitalisierten Welt für sich (und natürlich für das Unternehmen) nutzt, wird auch n Zukunft gebraucht werden. Die Zusammenhänge werden nicht einfacher werden, die Informationsflut wird nicht weniger werden und auch die Anforderungen an die Unternehmen und Mitarbeiter werden zunehmen und dafür braucht es Menschen, die diese neue Aufgaben übernehmen: Digitale Mittler zwischen den Ebenen und den zu erfüllenden Aufgaben.

Seit über hundert Jahren besteht das Unternehmen so wie es ist und so bleibt es auch!

Die Wetten dürfen abgegeben werden, ob die Aussage so in hundert Jahren auch noch einmal getroffen wird. Natürlich ist vieles Gut an den meisten Unternehmen! Natürlich gibt es da vieles, was auch in vielen Jahren noch so oder in ähnlicher Form da sein wird! Aber darauf behaaren, dass das ausreicht ist ein Trugschluss. In 10-20 Jahren kann man zurückblicken und beurteilen, was gut und was schlecht war. So wie wir heute auf die Neunziger Jahre zurückblicken können, die erste Dotcom-Blase und dem Anfang der „Nuller-Jahre“. Das Internet zog in die Unternehmen und in die Haushalte. Amazon wagte etwas, dass viele BWL Profs des letzten Jahrhunderts als kalkulatorischen Unsinn empfanden. Austauschplattformen entstanden und wider jeglicher Erwartung nutzen diese Jung und Alt. Ein Vergleich der vor 15 Jahren vorhanden Berufsbezeichnungen und der heute gesuchten Qualifikation zeigen die großen Veränderungen auf. Wie mag da wohl die Zukunft in 10-15 Jahren aussehen?

Die erfolgreichsten Internetfirmen sind mittlerweile so groß, dass sie ihre eigenen, meist noch jungen Märkte verlassen und in die „alten“ Industrien einbrechen mit ganz neuen Geschäftsmodellen.

Und da beginnen plötzlich die Probleme. Hat man sich in der Vergangenheit vor allem an den direkten Mitbewerbern gemessen und sich entweder kurz vor oder kurz nach denen bei Produkten und Prozessen optimiert, sind da plötzlich neue Gegner, die man weder einschätzen noch etwas entgegensetzen kann.

Am Ende des Abends

So wie in der Diskussion auch Zwei Schritte vor und einen wieder zurück ging, so geht es auch in vielen Unternehmen gerade in der Diskussion. Viele sehen die kommenden Veränderungen, andere glauben noch nicht daran und halten an dem liebgewordenen fest.

So endete der Abend: An allen Ecken und Enden gibt es Gründe, warum sich Unternehmen, das Management und die Mitarbeiter weiterentwickeln müssen. Oberflächlich gesehen ist es so wie immer, aber bei genauerer Betrachtung passiert im Moment sehr, sehr viel.

 

 

 

Dieser Post entstand in Zusammenarbeit mit dem HP Business Value Exchange Blog.

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