Von vielen Unternehmen mit ihren Entscheidern und Mitarbeitern erstaunlicherweise noch immer ungesehen oder ignoriert vollzieht sich gerade ein elementarer Wandel in unserer Arbeitswelt. Häufig hört man als Berater in Unternehmen die Aussagen, dass „wir“ noch gar nicht so weit sind, „uns“ das nicht betrifft und schon was Massives passieren muss, bevor „die“ da oben sich bewegen.

Warum ist das so, wo man doch überall Veränderungen sehen kann? Erfolgt die Entwicklung dieser neuen vernetzten Welt zu schleichend? Braucht es einen Big Bang in Form einer Katastrophe. Muss durch eine Zufall generierter (und abgesicherter) Markt auftauchen? Fehlt der disruptive Faktor, wie es häufig „plötzlich“ neue Gesetzte oder nicht vorhersehbare (oder bemerkte) Veränderungen bei den Kunden mit sich bringt! Oder geht es gar zu schnell und die althergebrachten Strukturen – wie z.B. die lang eingespielten Entscheidungswege der IT und deren in der Vergangenheit zelebrierten Investitionsarien und Roll-Out Ungetüme – sind noch nicht darauf ausgerichtet und verteidigen so lange es noch geht ihre alten Besitztümer? Nicht nur die IT, auch andere Abteilungen haben ihre Verteidungsbollwerke aufgebaut, um sich nicht bewegen zu müssen.

Vielleicht ist es auch die scheinbare, trügerische Sicherheit, dass Google, Apple und all die anderen Giganten oder die neuen „Hippen“ das eigene Marktsegment mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft ignorieren werden. So wie es die Verlage, der Handel, die Hausgerätehersteller, die Automobilbranche, die Banken und Versicherungen usw. lange auch dachten.

Die technischen Voraussetzungen sind da und haben sich vergleichsweise langsam entwickelt!

Die Grundlagen für die erfolgreiche Gestaltung einer modernen Arbeitswelt sind eigentlich gelegt. Rechnet man in 10 Jahresschritten, so erfolgte in den 1990iger Jahren der Schritt hin zum persönlichen Arbeitsplatzcomputer und der Anbindung an das Internet. Die schriftliche Kommunikation erfolgte nicht mehr auf dem Postweg, sondern wurde nach und nach auf die E-Mail verlagert. Der erste Wandel erfolgte: Sekretariate mussten sich neue Aufgaben suchen, da ihre Klientel Schriftstücke nun selber verfasste und kontroll-orientierte Vorgesetzte mussten sich bald eingestehen, dass sie nun nicht mehr jede Kommunikation innerhalb und außerhalb der eigenen Abteilung kontrollieren konnten.

Nach dem Jahrhundertwechsel wurden die Geräte mobiler und kleiner. Neue Webtechnologien ermöglichten schicke Anwendungen, die häufig dafür eingesetzt wurden, damit sich Anwender vernetzten konnten. Erst im privaten Umfeld und dann immer mehr auch in den Unternehmen wurden neue Kommunikationsplattformen eingeführt. Anwender konnten nun selber entscheiden, mit wem sie sich austauschten und wen sie in ihr persönliche Netzwerk aufnahmen.

Und heute? Heute stehen uns Uhren zur Verfügung, die mit uns kommunizieren, Haushaltsgeräte die vernetzt sind, Cloud-Services mit beliebig großer Rechenleistung und Speicherkapazitäten sowie immer und überall verfügbare Informationen. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen – unsere heutige Vorstellungskraft reicht nicht aus, um Vorauszusagen, was uns in 5-10 Jahren an Technik zur Verfügung stehen wird. Schon bald werden alle Produkte und Geräte in irgendeiner Form einen „Rechner“ integriert haben, um mit der Umwelt zu interagieren.

Trotzdem hakt es!

Wie so oft, bewegt sich nicht alles im gleichen Tempo. Organisationen entwickeln sich im Gegensatz zu den verfügbaren Technologien sehr langsam. Auch der Mensch in seiner im Unternehmen vorkommenden Vielfalt braucht seine Zeit, um sich an die neuen Möglichkeiten anzupassen.

Das eigene Handeln zu verändern fällt schwer. Enttäuschungen und falsche Entwicklungen bisheriger Veränderungsprozesse, die oftmals mit einem riesigen Tamtam angekündigt und dann schleichend versandet sind, sorgen für Misstrauen und eine große Behäbigkeit. Die jahrelang von den BWLern dieser Welt gepredigten, gnadenlosen Prozessoptimierungen, die nur Gewinnmaximierung im Fokus hatten, aber nicht die menschlichen Bedürfnissen, taten ihr Übriges dazu.

Vernetzte Strukturen statt starrer Organisationen

Natürlich wird es nicht alle Branchen gleich hart treffen. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass nur wenige Bereiche von Veränderungen ausgeschlossen bleiben. Und wenn der Druck durch neue Konkurrenten und veränderten Marktsituationen von außen fehlt, so werden neue Mitarbeiter die Veränderungen ins Unternehmen tragen.

Wer in den vergangenen Jahren als Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht hat, kann den Entwicklungen entspannt folgen und diese wieder in die eigene DNA der Organisation integrieren:

  • Variable, vernetzten Strukturen statt starrer Organisationen
  • Vertrauen statt Misstrauen
  • Automatisierung wo möglich, Individualisierung wo nötig!
  • Permanente Wandlung statt zyklischer Anpassungen
  • Immer fortwährendes Lernen auf allen und über alle Hierarchieebenen hinweg
  • Neue Wege bei der Entscheidungsfindung (Rahmen und Ziel statt konkreter Vorgaben)
  • Mitdenken ermöglichen und einfordern
  • Neues ausprobieren, testen und dann nutzen oder verwerfen
  • eine gesunde Fehlerkultur entwickeln
  • Prozesse transparent gestalten, verständlich und nachvollziehbar kommunizieren (ansonsten suchen sich die Akteure eigenen Wege)
  • Kultur des Helfens und Unterstützens etablieren – in einer sich immer schneller drehenden Welt ein elementarer Faktor
  • Prioritäten bei der Erfüllung der Unternehmensziele neu definieren

Viele der genannten Punkte haben nichts mit der verfügbaren Technologie zu tun. Sie waren auch schon vor 10-20-30 und mehr Jahren wichtig. Nur mussten sie oft nicht gelebt werden. In einem bekannten Umfeld mit eher gleichbleibenden Faktoren konnte man trotzdem als Unternehmen am Markt und als Mitarbeiter darin überleben.

Arbeit 4.0 steht erst am Anfang!

Ein neuer Begriff und eine neue Zahl schwirren durch den Raum. Die immer fortwährende und immer tiefgreifendere Digitalisierung bei sich gleichzeitig immer mehr veränderten Marktgeschehnissen macht es notwendig, dass sich Unternehmen und Menschen weiterentwickeln und diese Veränderungen gestalten.

Abwarten, verharren und aussitzen ist der falsche Weg.

 

Dieser Post entstand in Zusammenarbeit mit dem HP Business Value Exchange Blog.

 

 

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